New Album Review

08.12.2010

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Francis Aeol // Readings of Lethargy PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Andi   

 

Dienstag, 07. Dezember 2010 um 09:00 Uhr

 

7/7 Mulmiges Bauchgefühl, Kloß im Hals, letargischer Blick aus dem Fenster. Dann wird dein Herz

schwer und zieht dich runter. Rein in ein tiefes schwarzes Loch und du gehst unter und sinkst immer
tiefer und kommst  nicht wieder hoch. Eigentlich denkst du nicht viel, du bist einfach nur traurig,
schwermütig, deprimiert. Und ganz unten wartet Francis Aeol auf dich.

Das Debut Album des jungen Songwriters ist hart. Auch wenn du vorher nicht traurig warst,
spätestens nach dreißig Sekunden bist du es. Warum? Weil dir Francis emotionale und schwere
Arrangements mit Bombast-Streichern und wummernden Bass die Kraft aus den Gliedern saugt.
Weil seine Stimme so vielseitig ist, leidenschaftlich, leidend immer zwischen hauchendem Gewimmer, sanftem Falsett
und kräftigem Gesang. Weil die Zerbrechlichkeit, die in jedem Song, ja in jeder Zeile mitschwingt wahnsinnig intensiv
ist. Weil du ihm alles abkaufst was er singt: „for once i could win, take your hand, fields of flowers oh and then/
but not for me, and not with you, i'm just a name in the credits for you“
Das sind zwar keine Texte die man fröhlich
mitsingt, aber du nickst dazu und denkst dir: Ja, genau so.

Diese Platte sollte nicht einfach so nebenher gehört werden. Die kleinen Spielereien, die große Leidenschaft und
die musikalische Versiertheit eröffnet sich bei vielen Songs erst nach mehrmaligem Hören. Der kleine deprimierte
Lacher am Ende einer Textzeile, die besonders schöne Akkordfolge oder verschiedene Sounds im Hintergrund.
Die Songs sind vielseitig arrangiert, manchmal protzig wie in None's no Answer, manchmal schön minimiert wie in
Shooting Star Forsook
oder Beautiful Mind. Genau an den richtigen Stellen macht Francis seinen Songs Platz sich zu
entfalten, hält sie aber mit Klavier, Gitarre und natürlich seiner Stimme im Rahmen.

Ein Warnung muss aber bei aller Schwärmerei ausgerufen werden: Diese Platte zieht dich runter.
Und da unten ist es nicht wirklich lustig. Aber immerhin bist du nicht allein. Francis wartet schon.

Andi (Local Calling)



Local Calling

26.10.2010

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Regen. Dominik Wolf und Francis Aoel in der Treppenhaus Lounge PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Andi   
Dienstag, 26. Oktober 2010 um 00:00 Uhr

Wenn der Herbst kommt packe ich gerne die Songwriter aus. Nichts passt besser zu einem verregneten Nachmittag als ein schön trauriger Akustik Song. Da lässt es sich am besten in Depri Stimmung suhlen. Ein Konzert voller Herzschmerz Songs ist natürlich noch besser. Zum Beispiel mit Dominik Wolf und Francis Aoel in der heimeligen Treppenhaus Lounge.

Dominik Wolf ist im Gegensatz zum Hauptact ja noch regelrecht optimistisch. Mit filigranem Gitarrengezupfe und Backgroundsängerin bringt er das Publikum aber schon in die richtige Stimmung. Er singt sehr zerbrechlich und hoch, was seinen Songs einen dramatischen Touch gibt. Seine Background-Sängerin tut das übrige, ergänzt die Songs an den richtigen Stellen, rasselt mit dem obligatorischen Rythmusei und übernimmt auch selber Gesangsparts. Klingt alles in allem richtig schön und wie aus einem Guss.

Richtig depressiv wird’s mit Francis Aoel. Der verwendet, neben seiner Gitarre und der noch zerbrechlicheren Stimme, seinen Laptop mit hochdramatischen Orchester und Ambient Arrangements. Das ist Emotionalität pur und man ertappt sich dabei wie man langsam aus dem Fenster starrt, die Songs in sich arbeiten lässt und immer mehr in Traurigkeit versinkt. Da ändern auch die störenden Zuschauer und die zum Teil lustigen Ansagen nichts. Das liegt vor allem an den bombastischen Arrangements mit weinerlichen Geigen und wummerden Bass. Das wirkt alles so bedrohlich und dem Ende nahe, das einem schon fast die Tränen runterkullern. Und da ist es auch schon, das typische Herbstabendgefühl: Kloß im Hals, Blei auf dem Herzen und Gedanken die man nicht auszusprechen wagt. Braucht man ja auch nicht, macht ja schon Francis: „Das nächste Lied handelt von zwei Sekunden. Und das letzte was man sieht sind Zugscheinwerfer. Den Rest könnt ihr euch denken.“ Autsch, das sitzt tief. Draußen regnets. Und drinnen? Da schüttet es.

Kofferfabrik

01.09.2010

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Mit transzendenten Farben und abschweifenden atmosphärischen Klangteppichen webt sich Francis Aeol mit den Zuhörern durch die psychologischen Agründe eines nicht allzu alltäglichen Alltags. Verschiedenste Paradigmen werden durch seinen Schrank "Marlon", der stets mit auf der Bühne ist, druch orchestrale Einflüsse untermalt. Gekonnt zeigt der 25jährige Singer/Songwriter, dass die Liebe zum Detail keine Endliche ist, sondern eine die man mit nach Hause nehmen kann.

Harriet R. (freie Journalistin)

21.03.2010

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Mit mechanischer herangehensweise hat Francis Aeol die Freude des Seins
aus plastischer Sicht fast ein Jahrzehnt zu ergründen ersucht.
Digitale Auseinandersetzungen haben mich ihn oft sagen hören, dass ein
Funken Hoffnung die Atmosphäre küssen dürfe aber niemals die Partitur
ins unergründliche Glück lenken solle. Dies hätte für ihn den Nachteil
dass man Zufriedenheit weiter untersuchen müsse und dazu habe er nicht
die opitmalen Voraussetzungen zur Verfügung. Tiefe Trostlosigkeit die
sich um dass Verstehen von scheinbar zusammenhanglosen Strukturen um
das Handeln und Ausleben von psychischen Vorgängen und dem expressionistischen Depressionismus rangen, werden durch Themen wie
Kommunikation, Grazie und vor allem der Unabdingbarkeit des ständigen
hochkomplexen Kognitionsapparates liebevoll mit Nachdruck dargelegt.
Die scheinbare Ratlosigkeit und zunächst aufgenommene Verzweiflung
lösen nicht nur im Rahmen eines Live-Konzerts die emotionalen Spannungen
des Hörens, sondern versuchen zu beweisen dass die Abwesenheit von Licht nicht Dunkelheit sondern transzendente Farben sind die sich orchestral ins Ohr weben lassen. Unverblümt kann er sich auf der Bühne so präsentieren und den Rahmen für ein gemeinsames Erlebnis der Melancholie bis ans Äußerste spannen.

 

Harriet R. (freie Journalistin)